Braucht man einen Speicher?
Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Prinzipiell ist es gut, wenn man einen Speicher hat und damit selbst erzeugten Strom auch zu Zeiten nutzen kann, an denen die Sonne nicht scheint. Letztlich ist es aber eine Kosten/Nutzen-Frage.

Die Antwort hierzu kann man einfach ermitteln, indem man den durch die PV-Anlage erzielten Autarkiegrad mit und ohne Speicher vergleicht. Bei einem normalen Einfamilienhaus ohne Wärmepumpe und E-Auto liegt der typische Autarkiegrad mit einer Dach-PV-Anlage bei etwa 50 %. Nutzt man bei dieser Anlage zusätzlich einen Speicher in der kWh-Größenordnung der kWp der Anlage, so steigt dieser Autarkiegrad auf ungefähr 80%. Man benötigt also ca. 30% Strom weniger vom Stromanbieter. Nun muss man einfach auf seine Rechnung schauen und sehen, was 30% Einsparungen bedeutet. Ein typischer Wert liegt bei etwa 200€ im Jahr. Geht man von der Annahme aus, dass ein Speicher 10 Jahre hält, dann sollte er maximal 2000€ kosten, um sich zu amortisieren.
Diese hier gemachten, sehr groben Annahmen muss man natürlich mit genauen Daten verifizieren. So wird man zum Beispiel feststellen, dass moderne Speicher einiges länger halten (Garantiezeiten liegen aktuell bei 15-20 Jahren). Ein noch größerer Speicher erhöht den Autarkiegrad übrigens nur noch sehr wenig und lohnt sich damit nur in Ausnahmefällen.
Ein Sonderfall ergibt sich für alle Stuttgarter, da das Förderungsprogramm der Stuttgarter Solaroffensive auch Speicher fördert. Damit lohnen sich Speicher bei etwas größeren Anlagen eigentlich immer. Das ist bei den kleinen Balkonkraftwerken allerdings anders, wie dort bereits beschrieben.
Wie groß sollte der Speicher sein?
Das ist detailliert im Kapitel Einfamilienhäuser beschrieben.
Netzdienliche Nutzung einstellen
Bei aktuellen Speichern kann man in der Regel in Verbindung mit dem Wechselrichter einstellen, wann sie geladen werden sollen. Da es bei gutem Wetter mittlerweile mittags einen Überschuss an PV Strom gibt, der die Netze belastet, macht es Sinn, in solchen Zeiten keinen Strom ins Netz einzuspeisen, sondern seinen eigenen Speicher zu beladen.
Das hat natürlich eine Wetterabhängigkeit, weil die Sonne selten den ganzen Tag gleichmäßig scheint. Moderne Speicher & Wechselrichter-Kombinationen nutzen heute schon oft die künstliche Intelligenz einer Wettervorhersage, um den optimalen Ladezeitpunkt für den Speicher so festzulegen, dass er gefüllt, aber gleichzeitig das Netz nicht strapaziert wird. Solche Anlagen machen durchaus Sinn. Damit entgeht man potentiell auch einer temporären Abschaltung der eigenen Anlage durch den Netzbetreiber in Zeiten von hohen Netzbelastungen durch Überverfügbarkeit.
Sind Speicher brandgefährdet?
Es ist richtig, dass auch Stromspeicher eine gewisse Brandgefahr mit sich bringen. Die ist allerdings äußerst klein: Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts liegt die Wahrscheinlichkeit eines Brands eines PV-Speichers bei 0,0077 Prozent. Nach einer Studie der RWTH Aachen vom Dezember 2024 liegt die Wahrscheinlichkeit eines Batteriespeicherbrands sogar nur bei 0,0045 %. Das ist 50 mal weniger als die Wahrscheinlichkeit anders verursachter Hausbrände.
Man kann also sagen, dass die Speicher sicher sind, insbesondere wenn sie von qualifiziertem Personal aufgestellt wurden und aktuelle Technologien nutzen.
Braucht man eine Notstromfunktion des Speichers?
Manche Speicher bieten eine so genannte Notstromfunktion an. Dazu gibt es zwei Varianten:
- In der einfachen Version hat der Speicher einfach eine Steckdose, aus der man Strom beziehen kann, wenn der Netzstrom ausfällt und der Speicher einigermaßen geladen ist. Dazu muss man im Notfall das entsprechende Gerät manuell an diese Steckdose anschließen, etwa einen Kühlschrank oder einen Laptop.
- In der aufwändigeren Version schließt ein Elektriker ein oder gar drei Phasen aus der Notstromfunktion des Speichers mit dem Hausnetz zusammen, sodass der Speicher die Stromversorgung im Haus temporär übernehmen kann. Das läuft nicht ganz unterbrechungsfrei, da das Umschalten auf Notstrom typisch einige Sekunden benötigt, aber es funktioniert grundsätzlich. So eine Lösung ist aufwendig und kostet entsprechend.
Über die Variante 1 kann man natürlich nachdenken. Die Variante 2 macht dagegen nur in sehr wenigen Fällen wirklich Sinn. Denn im Fall des Falles sollte der Speicher ja zumindest gut geladen sein. Aber selbst damit würde er bei typischer Dimensionierung nur etwa einen halben Tag das Haus versorgen können. Und insbesondere im Winter kann man sich tagelang keinesfalls sicher sein, dass überhaupt Strom im Speicher ist.
Wenn man bedenkt, dass die mittlere Ausfallzeit von Strom in Stuttgart bei gerade einmal 7 Minuten pro Jahr liegt – und die Ausfälle oftmals geplant und angekündigt sind – dann muss man sich mit dem Thema nicht wirklich ernsthaft befassen. Benötigt man aber aus speziellen Gründen dennoch eine echte Notstromfunktion, dann sollte man eventuell über die Anschaffung eines Dieselaggregats nachdenken.
Speicher und dynamische Stromtarife
Zur besseren Nutzung dynamischer Stromtarife ist in der Regel ein Speicher erforderlich. Die Details sind dazu im speziellen Kapitel beschrieben.
