Wer ein Ein- oder Zweifamilienhaus in Stuttgart besitzt und seine Energiekosten signifikant senken oder den Wert seiner Immobilie steigern möchte, sollte jetzt in Photovoltaik investieren. Der Zeitpunkt ist ideal: Es gibt noch die Mehrwertsteuerbefreiung für PV-Anlagen, eine Einspeisevergütung für Strom, der nicht selbst genutzt werden kann, und eine gute Förderung seitens der Landeshauptstadt Stuttgart im Rahmen der Solaroffensive. Wer weiß, wie lange es diese Möglichkeiten noch gibt?

Da es sich um größere Investitionen handelt, die je nach Gebäude meistens zwischen 10.000 und 30.000 Euro liegen, sich aber nach etwa acht bis zehn Jahren amortisieren, sollte man nicht blind einsteigen. Zudem wächst die Zahl der schwarzen Schafe unter den Anbietern. Um hier mehr Sicherheit zu schaffen, hat die Landeshauptstadt Stuttgart das ehrenamtlich agierende Netzwerk der Stuttgarter SolarScouts ins Leben gerufen. Die SolarScouts agieren im Rahmen von Nachbarschaftshilfe ehrenamtlich, neutral und völlig unabhängig von Anbietern und Handwerkern. Sie haben in der Regel selbst solche Anlagen und damit auch persönliche Erfahrungen und sind obendrein durch das Energieberatungszentrum Stuttgart e. V. geschult worden. Damit können sie fast alle Fragen, die im Zusammenhang mit solchen Projekten auftauchen, direkt beantworten oder zumindest an kompetente Stellen verweisen.

Lohnt sich Photovoltaik auf unseren Dach überhaupt?

Es gibt kaum ein Haus in Stuttgart, bei dem Photovoltaik auf dem Dach keine deutlichen Vorteile bringt. Die Stuttgarter SolarScouts haben die öffentlich zugänglichen Tools, mit denen sie abschätzen können, wie viel Leistung man vom Dach erwarten kann und wie viele Solarmodule dazu notwendig sind. Eine erste Abschätzung vermittelt der Stuttgarter Solaratlas nach Eingabe der Adresse.

Sollte auch das Norddach genutzt werden?

In den meisten Fällen macht es Sinn auch das Norddach mit Solarmodulen zu belegen, auch wenn es oft nur 50-70% der Leistung des Süddachs bringt. Das ist insbesondere der Fall, wenn man auch im Sommer einen höheren Stromverbrauch hat, etwa weil man sein Warmwasser mit einer Wärmepumpe erwärmt oder ein Hybrid- oder E-Auto hat, das man mit eigenem Strom laden möchte. Und selbst wenn es heute noch nicht der Fall ist, lohnt es sich hierbei langfristig zu denken, denn eine solche PV-Anlage ist eine Investition für etwa 20-30 Jahre, in denen sich viel verändern wird.

Sollte man einen Speicher anschaffen und wie groß sollte er sein?

PV Speicher

Die Situation ist bei Einfamilienhäusern eine andere als bei Balkonkraftwerken, denn hier geht es um wesentlich höhere Leistungen. Ohne Speicher erreicht man (bei haushaltsüblichen Stromverbräuchen und heute gängigen PV-Größen) einen Autarkiegrad vom Stromnetz von etwa 50 %. Mit einem Speicher steigt dieser Wert auf rund 80 %. Diese zusätzlichen 30 %, die man an Stromkosten spart, entsprechen aufsummiert über etwa zehn Jahre den Kosten für den Speicher. Da aktuelle Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Speicher, die als sehr robust und feuersicher gelten, eine mittlere Lebensdauer von 15 und deutlich mehr Jahren haben, lohnen sich Speicher in Einfamilienhäusern heute fast immer.

Die Meinungen, wie groß ein Speicher dimensioniert sein sollte, haben sich mit der Zeit gewandelt:

  • Früher ging man meistens davon aus, dass eine Speichergröße, die den Strombedarf über Nacht abdecken kann, ausreicht. Das waren dann oft um die 5 kWh Speicherkapazität.
  • Aktuell wird häufiger die Daumenregel angewandt, dass die Speicherkapazität in kWh der Solarmodulleistung in kWp entsprechen sollte. Das liegt typisch bei 8-12 kWh und erlaubt auch mal 2 Tage ohne viel Sonne zu überbrücken.
  • Dieser Regel folgt auch die Förderung der Stadt Stuttgart mit ihrer Solaroffensive. Für Speicher bekommt man bis zur Größenordnung der kWp der Anlage in kWh 100€ pro kWh. Das entspricht ungefähr einem Drittel der Kosten.
  • In der Diskussion um eine zukünftig vermehrte Nutzung von dynamischen Stromtarifen wird oftmals die Meinung vertreten, dass Speicher viel größer dimensioniert sein sollten. Das lohnt sich allerdings nur in Spezialfällen. (Siehe hierzu auch das Kapitel Dynamische Stromtarife)

Wichtig ist zunehmend, dass man in der Kombination aus Wechselrichter und Speicher sehr genau einstellen kann, wann der Speicher geladen wird. Es macht nämlich Sinn, den Speicher netzdienlich einzusetzen und strategisch erst dann zu füllen, wenn – etwa im Sommer um die Mittagszeit – zu viel PV-Strom im Netz ist. Dann entgeht man auch weitgehend den Beschränkungen durch das Solarspitzengesetz vom Februar 2025. Manche modernen Anlagen nutzen dazu bereits künstliche Intelligenz und Wettervorhersagen.

Darüber hinaus erhöht man die Lebensdauer eines Speichers, wenn er nur selten – und dann auch nur kurzzeitig – auf 100 % voll geladen ist. Auch das kann man bei manchen modernen Anlagen automatisiert steuern lassen.

Wie viel Einspeisevergütung bekommt man?

Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) -Förderung der kann für Solaranlagen mit einer installierten Leistung bis 100 kW eine Förderung durch Einspeisevergütung in Anspruch genommen werden. Die Details sind hier nachzulesen.

Um starke Netzbelastungen durch PV-Anlagen abzumildern, die insbesondere mittags bei sehr guter Wetterlage auftreten, wurde im Februar 2025 das Solarspitzengesetz verabschiedet. Das hat Auswirkungen auf die Einspeisevergütung und bei Anlagen über 7 KWp besteht nunmehr eine Pflicht einen Smart Meter und eine Steuerungsbox zu installieren, die Einrichtungs- (maximal 100€) und Jahresgebühren (je nach Stromverbrauch etwa 2 x 50€) kosten. Würde eine projektierten Anlage nur knapp über 7 KWp kommen, ist deshalb überlegen sie etwas kleiner auszulegen, sodass die Grenze nicht überschritten wird.

Das Thema Einspeisevergütung ist aus verschiedenen Gründen zu einem aktuellen Thema in der politischen Diskussion geworden und es ist nicht absehbar, ob und wie es später in 2026 und danach mit der Einspeisevergütung weitergehen wird.

Wie kann man den Eigennutzungsgrad des PV-Stroms noch erhöhen?

Während die Stromkosten ab Anfang 2026 bei ungefähr 0,30 € pro Kilowattstunde liegen, beträgt die Einspeisevergütung nur etwas weniger als 8 Cent. Damit wird deutlich, dass man umso mehr von seiner PV Anlage profitiert, desto mehr Strom man selbst verbraucht. Damit macht es Sinn sich zu überlegen, ob eine heutige Nutzung anderer Energieformen (Gas, Öl, Holz, Benzin/Diesel, ..) auf Strom umgestellt werden kann.

Brauchwasserwärmepumpe
  • Öl und Gas sind heute bezogen auf ihren Energiegehalt etwa um einen Faktor 3,5 günstiger als Strom. Wenn man eine Wärmepumpe, die eine Jahresarbeitzahl (JAZ) von 3,5 oder besser hat, mit Strom betreibt, sind die Kosten aber wieder vergleichbar. Wenn man den Strom zusätzlich über eine eigene PV-Anlage erzeugen kann, ist die Lösung deutlich günstiger als ein klassischer Betrieb. Zukünftig steigende Kosten von fossilen Energien werden die Wärmepumpen noch attraktiver machen als Gas- und Ölheizungen.
  • Ist die Öl- oder Gasheizung noch relativ neu und soll sie noch nicht ausgetauscht werden, dann empfiehlt sich zumindest das Warmwasser mit einer so genannten Brauchwasser-Wärmepumpe zu erwärmen. Die Geräte, die im Keller aufgestellt werden, sind nicht sehr teuer und einfach anzuschließen. Sie haben den netten Nebeneffekt, dass sie im Betrieb den Keller entfeuchten und so z.B. ganzjährig auch Wäsche trocknen können. Da sie ihre Wärmepumpen-Energie im wesentlichen aus dem Kellerboden ziehen, funktionieren diese Geräte allerdings nur bei nicht isolierten Kellerböden, also in älteren Gebäuden. Es gibt auch Möglichkeiten solche Geräte in neuen Gebäuden zu betreiben. Dazu ist aber der Sanitärfachmann zu befragen.
  • E-Autos, die mit heimischem PV-Strom geladen werden, sind heute bereits die günstigste Form der individuellen Mobilität. Allerdings sind Autos sehr hohe Energieverbraucher. Um das zu veranschaulichen: Die Speicher in E-Autos haben typischerweise eine Kapazität von rund 100 kWh und sind damit etwa zehnmal so groß wie übliche Hausspeicher. Damit reicht die Kapazität aber gerade einmal für etwa 500 km.
    Wenn möglich, sollte man das eigene E-Auto direkt mit eigenem PV-Strom laden. Hierfür machen sich viele Module auf dem Hausdach noch schneller bezahlt und verkürzen die Ladezeiten. Das Laden des E-Auto-Speichers aus dem Hausspeicher macht dagegen allein schon wegen der dann doppelten Lade-/Entladeverluste der Speicher wenig Sinn – dafür muss man auch die Größe des Heimspeichers nicht anpassen.
    Anstatt auf einen sehr großen Hausspeicher zu setzen, gibt es eine neue Variante, bei der der ohnehin große Speicher des Fahrzeugs direkt in das Haus und das Netz mit eingebunden wird. Moderne E-Autos und neueste Wallboxen unterstützen bereits die direkte und bidirektionale Nutzung des Autospeichers für das Haus (Vehicle-to-Home, V2H) oder das Netz (Vehicle-to-Grid, V2G). Dazu ist selbstverständlich eine entsprechend leistungsfähige Wallbox erforderlich.

Zu allen Themen wie Heizung, Warmwasser, Wärmedämmung und Energienutzung im Haus ist das Energie-Beratungs-Zentrum Stuttgart e.V. (ebz) der kompetente und neutrale Ansprechpartner, bei dem persönliche Termine und auch Besuche im eigenen Haus möglich sind. Diese Chance sollte man nutzen!

Was gibt es noch zu beachten?

  • Der Wechselrichter muss mit der Batterie und gegebenenfalls der Wallbox kommunizieren können. Da die Schnittstellen nicht normiert sind, ist das keinesfalls automatisch gegeben. Das ist bei einer Beauftragung immer zu berücksichtigen!
  • Früher war das Thema Verschattung von einzelnen Modulen (etwa durch Bäume oder Gauben) ein Problem. Das wurde zunächst durch so genannte Optimierer, die zusätzlich angebracht werden mussten, gemildert oder gelöst. Heutige Wechselrichter sind diesbezüglich aber wesentlich toleranter und brauchen in der Regel keine Optimierer mehr.
    Es gibt allerdings Situationen, in denen Optimierer doch erforderlich sind, etwa wenn der Wechselrichter nur zwei Stränge von Modulen unterstützt, das Dach aber drei sehr unterschiedlich Sonnen-beschienene Seiten aufweist. Ansonsten kann man auf die immer noch gern angebotenen, nicht ganz billigen Optimierer meistens verzichten.
  • Die Anmeldung der Anlage beim Netzbetreiber ist etwas kompliziert und sollte, wenn auch kostenpflichtig, dem Solarteur überlassen werden. Dagegen ist die Anmeldung der Anlage im Marktstammdaten-Register einfach und kann in der Regel auch selbst erledigt werden. Sie muss binnen eines Monats nach Inbetriebnahme erfolgen.

Was ist von alternativen Pauschalangeboten zu halten?

Es gibt Anbieter, die mit auffällig aggressivem Marketing versuchen, Pauschalangebote zum Thema PV-Strom zu verkaufen. Dabei erwirbt man keine eigene PV-Anlage. Stattdessen schließt man einen Gesamtvertrag ab, in dem man eine PV-Anlage auf dem eigenen Dach least oder mietet und den zusätzlichen Strom über einen (dynamischen) Stromtarif desselben Anbieters bezieht – und somit auch den Stromanbieter wechselt. Solche Verträge haben typischerweise sehr lange Laufzeiten, in denen man sich fest bindet.

Es lohnt sich, bei diesen Angeboten das Kleingedruckte und die allgemeinen Geschäftsbedingungen sehr genau zu prüfen. Oft stellt sich dabei heraus, dass es sich unter dem Strich um sehr teure Lösungen handelt. Informationen zu solchen speziellen Verträgen bietet u.a. die Verbraucherzentrale.

Eigenen Solarstrom mit anderen teilen

Seit dem 1. Juni 2026 ist es theoretisch möglich, eigenen Solarstrom mit Nachbarn zu teilen. Geplante Anpassungen im Energiewirtschaftsrecht werden neue Möglichkeiten schaffen, lokal erzeugten Solarstrom gemeinschaftlich zu nutzen. Der Strom kann dann über das öffentliche Netz an andere Haushalte in der Nähe geliefert werden. Voraussetzung dafür wird ein Liefervertrag und vorhandene Smartmeter (intelligente Stromzähler) für die Abrechnung. Bis erste Erfahrungen mit der praktischen Umsetzung vorliegen, kann es noch etwas dauern. Wir werden sie dann hier darstellen.

Weitere Informationen erhält man von den Stuttgarter SolarScouts

Weitere Informationen zu PV-Dachanlagen und zu Solarteuren (Elektriker mit entsprechenden Zertifizierungen) sowie zu weiteren wichtigen Fragen, wie was gute Angebote enthalten sollten und was eher nicht, bekommt man bei den lokalen SolarScouts im eigenen Wohnbezirk.